Meinungsfreiheit: Fundamentalismus mal Christlich…
In Zeiten wie diesen ist es scheinbar schwer einen Weg zwischen Meinungsfreiheit und Achtung religiöser Gefühle zu finden. Erst der Karikaturenstreit, der zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen in der islamischen Welt führte. Dann die prompte provokative Antwort des Irans mit Karikaturen, die den Holocaust leugnen. Nun die MTV-Zeichentrickserie “Popetown”, die den Papst als “durchgeknallten Irren” darstellt. Dazu eine Werbekampagne die Jesus lachend vor einem Fernseher zeigt und mit der Bildunterschrift “Lachen statt rumhängen” beschrieben wird (im Hintergrund ist ein Kreuz sichtbar).
Die Reaktionen der Katholischen Kirche und anderer “christlicher Verbände” wie der CSU ließen natürlich nicht lange auf sich warten. Die einen sprechen von der Beschimpfung von Religionsgemeinschaften, Herr Stoiber und Herr Söder möchten das Strafrecht zur Beleidigung religiöser Gefühle verschärfen. Kardinal Wetter, selber Mitglied einer sektenähnlichen Bewegung in der katholischen Kirche (Stichwort Opus Dei), veröffentlichte eine Stellungnahme zu Popetown, im speziellen zur Anzeige mit Jesus, in der er unter anderem schreibt:
Weil das Leiden und die Folter eines Menschen für die Zwecke eines banalen und niveaulosen Amüsements missbraucht würden, verstoße die Werbung in elementarer Weise auch gegen die Menschenwürde. Wer die Kreuzigung Christi, die von Millionen Menschen stellvertretend für das Leiden vieler Menschen gesehen werde, in derartig würdeloser und beleidigender Weise zum Amüsement mache, belustige sich letzten Endes auch über Leiden und Folter von Menschen, die bis in die Gegenwart verfolgt, diskriminiert und getötet würden.
Stimmt, zum Teil wird diese Diskriminierung ja auch von der Kirche unterstützt. Gerade Opus Dei hat ja einigen Diktatoren nahe gestanden. Aber egal… Ich sehe das katholische Kreuz auch als Zeichen für das Leiden vieler Menschen. Trotzdem wird es in unseren Schulen nicht abgehängt!
Doch Moment… erinnern wir uns nur kurz an den Karikaturenstreit: Von allen Seiten der deutschen Politik wurde behauptet, dass diese Karikaturen zu einer liberalen und freien Gesellschaft gehören, auch wenn sie religiöse Gefühle anderer Menschen verletzten. Schließlich wäre das Recht der Meinungsfreiheit ein Gut, das es zu verteidigen gilt.
Meiner Meinung nach wird hier mit zweierlei Maß gemessen. Auf der einen Seite fordern Politiker der CSU eine Verteidigung der Meinungsfreiheit in der westlichen Welt auch gegenüber religiösen Gefühlen anderer. Andererseits fordern sie, sobald ihre eigene Religion “bedroht” wird, eine Verschärfung der Gesetze. In Wirklichkeit sind sie keinen Deut besser!
Meinungsfreiheit darf und muss weitergehen. In einer demokratischen, offenen, liberalen, pluralistischen Gesellschaft müssen auch solche Sendungen ausgestrahlt werden.
MTV hat die Anzeige mit Jesus bereits zurückgezogen. Die Sendung soll weiter ausgestrahlt werden. Was unsere fundamentalistischen Politiker und Kirchenvertreter allerdings nicht gemerkt haben: Ohne ihre Hetzkampagne hätte Popetown nie eine solche Popularität erlangt und wäre einfach in der Versenkung verschwunden. Etwas besseres hätte gar nicht passieren können. Ein Eigentor für Ratze, Wetter und Co. Danke!
Alex
Einige Blogs mit ähnlichen Ansichten:
http://blog.gruene-jugend.de/2006/ostermotto06-lachen-statt-rumhangen/
http://politischinkompetent.wordpress.com/2006/04/13/mtv-popetown-vs-vers-1/
http://stefan-horning.de/blog/2006/04/karikaturenstreit-diesmal-popetown/
http://www.mein-parteibuch.de/2006/04/14/lachen-statt-rumhaengen-und-popetown-bei-mtv-schauen/
http://www.hboeck.de/item/313
http://www.dominik1984.de/wordpress/?p=30
bisher 16 Kommentare 28.April 2006
