Dass Seiten wie Oranjes Bye Bye oder Svens WM Wette momentan populär sind, wissen wir ja. Und dass diese Seiten keinen wirklichen Sinn haben, wissen wir auch. Die gute alte Mundpropaganda wirkt leider auch im Internet (Stichwort “Virales Marketing”) sehr gut.
Ein ähnliches Prinzip der Verbreitung verfolgt auch die Seite “lokalisten.de” (die allerdings keine Werbung enthält). Hier kann man eine Liste mit Freund- und Bekanntschaften anlegen, Freunde mit ähnlichen Interessen kennenlernen oder nach alten Bekannten suchen.
Doch was soll bitte eine Seite wie lokalisten.de bringen? Welchen Sinn hat die Seite? Welchen Nutzen habe ich als Nutzer von lokalisten.de?
Ich weiss es nicht. Bis heute sehe ich keinen Nutzen, den man aus dem lokalisten-Netzwerk ziehen kann. Und doch, die Community erfreut sich einer ungebremsten Beliebtheit. Viele, fast alle, meiner Freunde sind auf lokalisten.de unterwegs. Aber wieso?
Eine Funktion, eine Eigenschaft hält die “Leute” bei den lokalisten oder anderen “Freunde-Seiten” (Stichwort: “Du gehörst zu meinen Freunden”): Die Möglichkeit, seine Freunde zu “zählen”, eine Liste zu erstellen, diese Liste zu präsentieren, sich selbst zu präsentieren. Die Anzahl der Bekanntschaften wird zum Status-Symbol. Freundschaften werden zu einer weiteren Möglichkeit sich selbst bestätigt zu fühlen reduziert. Die Unsicherheit einer ganzen Generation spiegelt sich bei den lokalisten wieder. Einer Generation, die nach Bestätigung, Annerkennung und Respekt sucht. Jugendliche, die sich einmal im “echten Leben” gesehen haben, sind auf einmal dickste Freunde, nur um die Liste ihrer Freundschaften möglichst lang erscheinen zu lassen.
Doch den Charakter und die sozialen Kompetenzen eines Menschen kann man nicht über das Internet messen. Echte Freundschaften zeigen sich nicht über die Bekanntschaft in einem System wie den lokalisten. Echte Freundschaften müssen im echten Leben reifen und sich beweisen. Dafür braucht man keinen lächerlichen Klick im Internet. Wie viele von den lokalisten Bekanntschaften würden einem in einer echten Notsituation helfen, wie viele? Und wie viele “echte” Freunde würden einem helfen? Sicherlich mehr. Und um Freunde zu finden sollte man immer noch die eigenen vier Wände verlassen und die Welt erkunden, anstatt vor dem PC ein scheinbar glückliches Leben voller Pseudo-Freunde und Internetbekanntschaften zu führen!
Wer jedes Freund sein will, ist niemandes Freund.
Gottlieb Konrad Pfeffel
Ich danke euch, Freunde ;-)
Alex