Monatsarchiv für November, 2006

Spielen tötet

Zu dieser Ansicht könnte man jedenfalls gelangen, wenn man die neuesten Diskussionen in Bezug auf den Amoklauf eines 18-jährigen Ex-Schülers Emsdetten betrachtet.

Um gleich mal meine Meinung klar zu machen: Einerseits glaube ich nicht, dass Ego Shooter, im Politikerdeutsch auch “Killerspiele” genannt, einen Menschen zu einem Mörder machen. Andererseits glaube ich, im Gegensatz zu vielen meiner Altersgenossen, auch nicht, dass solche Spiele keinerlei Spuren in der Seele eines Menschen hinterlassen.

Ich bin der Meinung, dass die aktuell geführten Diskussionen wieder einmal viel zu oberflächlich sind:

Sofort werden Stimmen laut, die ein Verbot dieser “Killerspiele” fordern. Ego-Shooter werden verteufelt und schuldig für Morde gemacht. Die wahren Hintergründe und Ursachen liegen jedoch weit tiefer:
Dass die Täter gerne mit Waffen postierten, und wie Robert Steinhäuser oft in einem Schützenverein sind, interessiert nahezu niemanden. Der Verbot von Schützenvereinen wird, obwohl dies wirklich sinnvoll wäre, nicht propagandiert. Der Waffenverkauf wird auch nicht weiter eingeschränkt (klar: beides, vor allem das Verbot von Schützenvereinen, würde dem Klientel der CDU bzw. CSU ja nicht gefallen). Stattdessen kramt man mal wieder das Stichwort “Killerspiele” aus der Schublade und fast reflexartig beginnen die alten Diskussionen über einen möglichen Verbot dieser Spiele. Wie diese Jugendlichen überhaupt an Waffen kommen können, interessiert niemanden.

Ein Verbot der Ego-Shooter würde die Situation zusätzlich verschärfen, da so eine Kontrolle der Inhalte durch die USK unmöglich wird. Das Problem verschiebt sich in den Untergrund – gelöst wird es nicht. Und jeder weiss, dass Kinder und Jugendliche von verbotenen Sachen sogar noch mehr angezogen werden – anstatt die Spiele legal zu erwerben, werden sie dann halt heruntergeladen.

Für mich sind die “Killerspiele” nicht Ursache oder Auslöser der Probleme, sondern Symptome. Dies entspricht der allgemeinen Entwicklung der Gesellschaft und ist nicht auf diese PC-Spiele begrenzt. Jeden Tag sehen wir in den Nachrichten getötete Menschen, die Gesellschaft stumpft zunehmend ab. Die Ursachen der Gewalt sind eher in der gesamten Gesellschaft, also der Umwelt der Jugendlichen, und in der Erziehung zu suchen.

Nichtsdestotrotz sind die Ego-Shooter natürlich Teil der Verrohung. Auch wenn man die Spiele nur “zum Spaß” und distanziert spielt, leisten sie ihren Anteil zur Abstumpfung, vielleicht auch zur Verdummung der Gesellschaft. Aber tut dies der Schießsport nicht auch? Niemand wird ernsthaft behaupten, dass eine Waffe einen anderen Zweck als das Verletzen oder Töten anderer Lebewesen hat.

Solange die Politik nicht über weitere Schritte zur Eindämmung der Gewalt unter Jugendlichen, zur Schaffung neuer (oder alter?) Werte, und zum Entgegenwirken der Abstumpfung unternimmt, werden die neuen Debatten mit einem Gesetz enden, welches weder den Opfern der Attentate, noch den Jugendlichen hilft.

Ego-Shooter können niemanden töten. Menschen töten. Waffen töten.

Aber vielleicht will die Politik ja gar nicht so weit denken, vielleicht ist man mit der Zerstörung der Symptome ja auch zufrieden – auch wenn man die Ursachen so nicht aus der Welt schaffen kann. Nach Gewaltvideos auf Handys fragt seit dem Handyverbot ja auch niemand mehr.
Alex

Weitere Informationen:
Forderungen nach dem Killerspieleverbot werden lauter
Edmund Stoiber zum möglichen Killerspieleverbot

bisher 16 Kommentare 21.November 2006

Die Mehrheit der Deutschen zweifelt an der Demokratie

51% der Deutschen sind nicht oder kaum zufrieden mit dem Funktionieren der Demokratie in Deutschland.
Jeder Vierte wünscht sich eine Deutsche Einheitspartei, welche die “Volksgemeinschaft” verkörpert.
39% der Deutschen glauben, dass Deutschland “überfremdet” sei.
Ca. 15% wünschen sich einen Führer mit einer starken Hand.

Erschreckend, nicht?
Wie aber soll man in einem solchen Land die Demokratie lieben lernen?

Ein Staat, der sich nur noch auf Platz 23 der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen befindet.
Ein Staat, der von Ausländern Integration fordert, nichts dafür tut, und sich dann über “Parallelgesellschaften” wundert.
Ein Staat, in dem Politiker nachweislich seit Jahrzehnten lügen, und trotzdem (bzw. deswegen) wiedergewählt werden (“blühende Landschaften”, “die Rente ist sicher”, “Wenn wir das in der nächsten Legislaturperiode nicht schaffen die Arbeitslosigkeit zurückzuführen und das Ausbildungsplatzproblem zu lösen, dann haben wir es auch nicht verdient wieder gewählt zu werden.”).
Ein Staat, in dem Politik von Lobbys bestimmt wird.
Ein Staat, der lieber Sozialhilfe zahlt, als armen Bevölkerungsgruppen bessere Bildung zu ermöglichen.
Ein Staat, in dem die Bürgerrechte seit Jahren beschnitten werden.
Ein Staat, dessen Rentenproblem seit Jahrzehnten bekannt ist – und der nichts getan hat.

Wie soll man da Vertrauen in die Politik fassen?

In Deutschland geht man nicht gegen die Ursachen der Probleme vor, man bekämpft die Symptome:
Kaum wurden Gewaltvideos auf Handys gefunden, wurden die Handys verboten. Die Ursachen bekämpft man nicht.
Kinder werden von ihren Eltern getötet, man schafft ein besseres Kontrollsystem. Nach den Ursachen forscht man nicht.
Viele Menschen sind arbeitslos. Man verbessert nicht ihre Chancen sich weiterzubilden, sondern verändert die soziale Absicherung.
Wir leben in einem Staat, der einen Airbag einbaut, wenn die Bremse nicht geht.

Viele Politiker werden wohl wieder nur die Symptome der Demokratieunmut bekämpfen. Da wird dann die NPD verboten anstatt zu fragen, warum so viele Menschen die NPD wählen.

Die Menschen wollen eine ehrliche Politik. Politik, der sie vertrauen können. Politik, die ruhig einmal sagt, was sie für Einschnitte mit sich bringen wird, anstatt einer Politik, die das Gegenteil verspricht und dann ebensolche Einschnitte mit sich bringt.

Politiker müssen (müssten?) Demokratie vorleben, anstatt sie zu verleumden. Vertrauen in die Demokratie, heißt (leider) Vertrauen in unsere Politiker.

Und so lange sich in Deutschland keine politische Aufklärung für alle Schichten der Gesellschaft durchsetzt, braucht man sich über die oberen Ergebnisse nicht wundern. Leider.

Alex

Interessante Hintergrundinformationen: Artikel zu den Statistiken auf ard.de

bisher 1 Kommentar 17.November 2006

Energie für heute

“Energie für immer.”
Mit diesem genau so dummen wie falschen Slogan wirbt E.ON bei uns im Radio.

Immer ist eine sehr lange Zeit… Energie wird zwar immer vorhanden, aber für den Menschen vielleicht nicht mehr nutzbar sein. Ein Paradebeispiel der Kundenverdummung durch große Worte von großen Energieunternehmen.

Wie ernst man den Umweltschutz nimmt, hat uns E.ON gestern abend gezeigt, als man den Schalter für Millionen von Haushalten eindrucksvoll umgelegt hat.

Bei uns ist der Strom gestern Abend zwar nicht ausgefallen. Dafür aber am Nachmittag. Und letzte Woche sieben oder acht Mal. Und die Woche davor auch einmal. Und die Woche davor auch.

Langsam reicht’s mir! Energie für immer kann mir erspart bleiben, ich brauche sie heute und jetzt! Danke, E.ON!

Alex

bisher 2 Kommentare 05.November 2006

Buchtipp: Einführung in die Philosophie

Viele Menschen wollen sich mit Philosophie beschäftigen. Sei es rein interessehalber, sei es aus schulischen/beruflichen Gründen.

Doch oft fehlt einfach die Zeit oder das Vorwissen, sich intensiv mit den Werken großer Philosophen zu beschäftigen – eine kleine Einweisung in grundsätzliche Fragen der Philosophie müsste her.

Und da kommt ein kleines Buch ins Spiel: "Was bedeutet das alles? Eine ganz kurze Einführung in die Philosophie" von Thomas Nagel.

Das Buch beschäftigt sich mit 10 essentiellen Fragen der Philosophie: Woher wissen wir etwas (woher wissen wir, dass nicht nur unsere Wahrnehmung existiert), Das Fremdpsychische (Probleme der "Vergleichbarkeit" von eigenen Gefühlen und denen von anderen Wesen ), Das Psychophysische Problem (Zusammenhang Körper-Geist), Die Bedeutung von Wörtern, Willensfreiheit (Können wir, was wir wollen und woher wissen wir, dass wir es wollen), Recht und Unrecht, Gerechtigkeit und Der Tod (Muss es ein Leben nach dem Tod geben?).

Alle Themen werden angeschnitten und ihre Problematik vorgestellt. Dann stellt der Autor verschiedene Lösungsansätze vor, bestimmt aber nicht, welcher Ansatz der Richtige sei.

Das Buch ist in einem auch für Laien verständlichen Wortschatz geschrieben, und es sollte keine Schwierigkeiten darstellen, den Gedanken des Autors zu folgen. Einzig wer Zitate historischer Philosophen sucht, ist bei diesem kleinen Buch falsch. Das Buch beruft sich nicht auf bereits bestehende Philosophen, sondern versucht alles in sich selbst schlüssig zu begründen.

Meiner Meinung nach ist das Buch der perfekte Einstieg für alle, die sich mit Philosophie beschäftigen wollen, aber bisher dazu keine Zeit gefunden haben. Das Buch regt zum Mitdenken an und macht Lust auf mehr. Für 2,60€ kann man nicht viel falsch machen!

bisher 4 Kommentare 04.November 2006



Anzeige

Kalender

November 2006
M D M D F S S
« Okt   Dez »
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930  

Monatsarchiv

Themenarchiv