Spielen tötet
Zu dieser Ansicht könnte man jedenfalls gelangen, wenn man die neuesten Diskussionen in Bezug auf den Amoklauf eines 18-jährigen Ex-Schülers Emsdetten betrachtet.
Um gleich mal meine Meinung klar zu machen: Einerseits glaube ich nicht, dass Ego Shooter, im Politikerdeutsch auch “Killerspiele” genannt, einen Menschen zu einem Mörder machen. Andererseits glaube ich, im Gegensatz zu vielen meiner Altersgenossen, auch nicht, dass solche Spiele keinerlei Spuren in der Seele eines Menschen hinterlassen.
Ich bin der Meinung, dass die aktuell geführten Diskussionen wieder einmal viel zu oberflächlich sind:
Sofort werden Stimmen laut, die ein Verbot dieser “Killerspiele” fordern. Ego-Shooter werden verteufelt und schuldig für Morde gemacht. Die wahren Hintergründe und Ursachen liegen jedoch weit tiefer:
Dass die Täter gerne mit Waffen postierten, und wie Robert Steinhäuser oft in einem Schützenverein sind, interessiert nahezu niemanden. Der Verbot von Schützenvereinen wird, obwohl dies wirklich sinnvoll wäre, nicht propagandiert. Der Waffenverkauf wird auch nicht weiter eingeschränkt (klar: beides, vor allem das Verbot von Schützenvereinen, würde dem Klientel der CDU bzw. CSU ja nicht gefallen). Stattdessen kramt man mal wieder das Stichwort “Killerspiele” aus der Schublade und fast reflexartig beginnen die alten Diskussionen über einen möglichen Verbot dieser Spiele. Wie diese Jugendlichen überhaupt an Waffen kommen können, interessiert niemanden.
Ein Verbot der Ego-Shooter würde die Situation zusätzlich verschärfen, da so eine Kontrolle der Inhalte durch die USK unmöglich wird. Das Problem verschiebt sich in den Untergrund – gelöst wird es nicht. Und jeder weiss, dass Kinder und Jugendliche von verbotenen Sachen sogar noch mehr angezogen werden – anstatt die Spiele legal zu erwerben, werden sie dann halt heruntergeladen.
Für mich sind die “Killerspiele” nicht Ursache oder Auslöser der Probleme, sondern Symptome. Dies entspricht der allgemeinen Entwicklung der Gesellschaft und ist nicht auf diese PC-Spiele begrenzt. Jeden Tag sehen wir in den Nachrichten getötete Menschen, die Gesellschaft stumpft zunehmend ab. Die Ursachen der Gewalt sind eher in der gesamten Gesellschaft, also der Umwelt der Jugendlichen, und in der Erziehung zu suchen.
Nichtsdestotrotz sind die Ego-Shooter natürlich Teil der Verrohung. Auch wenn man die Spiele nur “zum Spaß” und distanziert spielt, leisten sie ihren Anteil zur Abstumpfung, vielleicht auch zur Verdummung der Gesellschaft. Aber tut dies der Schießsport nicht auch? Niemand wird ernsthaft behaupten, dass eine Waffe einen anderen Zweck als das Verletzen oder Töten anderer Lebewesen hat.
Solange die Politik nicht über weitere Schritte zur Eindämmung der Gewalt unter Jugendlichen, zur Schaffung neuer (oder alter?) Werte, und zum Entgegenwirken der Abstumpfung unternimmt, werden die neuen Debatten mit einem Gesetz enden, welches weder den Opfern der Attentate, noch den Jugendlichen hilft.
Ego-Shooter können niemanden töten. Menschen töten. Waffen töten.
Aber vielleicht will die Politik ja gar nicht so weit denken, vielleicht ist man mit der Zerstörung der Symptome ja auch zufrieden – auch wenn man die Ursachen so nicht aus der Welt schaffen kann. Nach Gewaltvideos auf Handys fragt seit dem Handyverbot ja auch niemand mehr.
Alex
Weitere Informationen:
Forderungen nach dem Killerspieleverbot werden lauter
Edmund Stoiber zum möglichen Killerspieleverbot
bisher 16 Kommentare 21.November 2006