Die Mehrheit der Deutschen zweifelt an der Demokratie
17.November 2006
51% der Deutschen sind nicht oder kaum zufrieden mit dem Funktionieren der Demokratie in Deutschland.
Jeder Vierte wünscht sich eine Deutsche Einheitspartei, welche die “Volksgemeinschaft” verkörpert.
39% der Deutschen glauben, dass Deutschland “überfremdet” sei.
Ca. 15% wünschen sich einen Führer mit einer starken Hand.
Erschreckend, nicht?
Wie aber soll man in einem solchen Land die Demokratie lieben lernen?
Ein Staat, der sich nur noch auf Platz 23 der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen befindet.
Ein Staat, der von Ausländern Integration fordert, nichts dafür tut, und sich dann über “Parallelgesellschaften” wundert.
Ein Staat, in dem Politiker nachweislich seit Jahrzehnten lügen, und trotzdem (bzw. deswegen) wiedergewählt werden (“blühende Landschaften”, “die Rente ist sicher”, “Wenn wir das in der nächsten Legislaturperiode nicht schaffen die Arbeitslosigkeit zurückzuführen und das Ausbildungsplatzproblem zu lösen, dann haben wir es auch nicht verdient wieder gewählt zu werden.”).
Ein Staat, in dem Politik von Lobbys bestimmt wird.
Ein Staat, der lieber Sozialhilfe zahlt, als armen Bevölkerungsgruppen bessere Bildung zu ermöglichen.
Ein Staat, in dem die Bürgerrechte seit Jahren beschnitten werden.
Ein Staat, dessen Rentenproblem seit Jahrzehnten bekannt ist – und der nichts getan hat.
Wie soll man da Vertrauen in die Politik fassen?
In Deutschland geht man nicht gegen die Ursachen der Probleme vor, man bekämpft die Symptome:
Kaum wurden Gewaltvideos auf Handys gefunden, wurden die Handys verboten. Die Ursachen bekämpft man nicht.
Kinder werden von ihren Eltern getötet, man schafft ein besseres Kontrollsystem. Nach den Ursachen forscht man nicht.
Viele Menschen sind arbeitslos. Man verbessert nicht ihre Chancen sich weiterzubilden, sondern verändert die soziale Absicherung.
Wir leben in einem Staat, der einen Airbag einbaut, wenn die Bremse nicht geht.
Viele Politiker werden wohl wieder nur die Symptome der Demokratieunmut bekämpfen. Da wird dann die NPD verboten anstatt zu fragen, warum so viele Menschen die NPD wählen.
Die Menschen wollen eine ehrliche Politik. Politik, der sie vertrauen können. Politik, die ruhig einmal sagt, was sie für Einschnitte mit sich bringen wird, anstatt einer Politik, die das Gegenteil verspricht und dann ebensolche Einschnitte mit sich bringt.
Politiker müssen (müssten?) Demokratie vorleben, anstatt sie zu verleumden. Vertrauen in die Demokratie, heißt (leider) Vertrauen in unsere Politiker.
Und so lange sich in Deutschland keine politische Aufklärung für alle Schichten der Gesellschaft durchsetzt, braucht man sich über die oberen Ergebnisse nicht wundern. Leider.
Alex
Interessante Hintergrundinformationen: Artikel zu den Statistiken auf ard.de
bisher 1 Kommentar Eigenen Kommentar schreiben
1. madmax | 20.November 2006 at 23:01
“Wir leben in einem Staat, der einen Airbag einbaut, wenn die Bremse nicht geht.”
den merk ich mir, der is zu wahr.
imho wäre ein guter ansatz die diäten der spitzenpolitiker drastisch zu senken und eine nicht zu hohe obergrenze an zuverdiensten einzuführen.
das klingt vllt etwas naiv oder nach milchmädchenrechnung.
aber ich mein des nicht als sparmaßnahme.
damit würden stattdessen viel eher die politiker gefördert, die mit klaren vorstellungen und ideen politik betreiben.
und nicht rein zur anhäufung eines möglichst hohen pritvatvermögens
max
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