Spielen tötet
21.November 2006
Zu dieser Ansicht könnte man jedenfalls gelangen, wenn man die neuesten Diskussionen in Bezug auf den Amoklauf eines 18-jährigen Ex-Schülers Emsdetten betrachtet.
Um gleich mal meine Meinung klar zu machen: Einerseits glaube ich nicht, dass Ego Shooter, im Politikerdeutsch auch “Killerspiele” genannt, einen Menschen zu einem Mörder machen. Andererseits glaube ich, im Gegensatz zu vielen meiner Altersgenossen, auch nicht, dass solche Spiele keinerlei Spuren in der Seele eines Menschen hinterlassen.
Ich bin der Meinung, dass die aktuell geführten Diskussionen wieder einmal viel zu oberflächlich sind:
Sofort werden Stimmen laut, die ein Verbot dieser “Killerspiele” fordern. Ego-Shooter werden verteufelt und schuldig für Morde gemacht. Die wahren Hintergründe und Ursachen liegen jedoch weit tiefer:
Dass die Täter gerne mit Waffen postierten, und wie Robert Steinhäuser oft in einem Schützenverein sind, interessiert nahezu niemanden. Der Verbot von Schützenvereinen wird, obwohl dies wirklich sinnvoll wäre, nicht propagandiert. Der Waffenverkauf wird auch nicht weiter eingeschränkt (klar: beides, vor allem das Verbot von Schützenvereinen, würde dem Klientel der CDU bzw. CSU ja nicht gefallen). Stattdessen kramt man mal wieder das Stichwort “Killerspiele” aus der Schublade und fast reflexartig beginnen die alten Diskussionen über einen möglichen Verbot dieser Spiele. Wie diese Jugendlichen überhaupt an Waffen kommen können, interessiert niemanden.
Ein Verbot der Ego-Shooter würde die Situation zusätzlich verschärfen, da so eine Kontrolle der Inhalte durch die USK unmöglich wird. Das Problem verschiebt sich in den Untergrund – gelöst wird es nicht. Und jeder weiss, dass Kinder und Jugendliche von verbotenen Sachen sogar noch mehr angezogen werden – anstatt die Spiele legal zu erwerben, werden sie dann halt heruntergeladen.
Für mich sind die “Killerspiele” nicht Ursache oder Auslöser der Probleme, sondern Symptome. Dies entspricht der allgemeinen Entwicklung der Gesellschaft und ist nicht auf diese PC-Spiele begrenzt. Jeden Tag sehen wir in den Nachrichten getötete Menschen, die Gesellschaft stumpft zunehmend ab. Die Ursachen der Gewalt sind eher in der gesamten Gesellschaft, also der Umwelt der Jugendlichen, und in der Erziehung zu suchen.
Nichtsdestotrotz sind die Ego-Shooter natürlich Teil der Verrohung. Auch wenn man die Spiele nur “zum Spaß” und distanziert spielt, leisten sie ihren Anteil zur Abstumpfung, vielleicht auch zur Verdummung der Gesellschaft. Aber tut dies der Schießsport nicht auch? Niemand wird ernsthaft behaupten, dass eine Waffe einen anderen Zweck als das Verletzen oder Töten anderer Lebewesen hat.
Solange die Politik nicht über weitere Schritte zur Eindämmung der Gewalt unter Jugendlichen, zur Schaffung neuer (oder alter?) Werte, und zum Entgegenwirken der Abstumpfung unternimmt, werden die neuen Debatten mit einem Gesetz enden, welches weder den Opfern der Attentate, noch den Jugendlichen hilft.
Ego-Shooter können niemanden töten. Menschen töten. Waffen töten.
Aber vielleicht will die Politik ja gar nicht so weit denken, vielleicht ist man mit der Zerstörung der Symptome ja auch zufrieden – auch wenn man die Ursachen so nicht aus der Welt schaffen kann. Nach Gewaltvideos auf Handys fragt seit dem Handyverbot ja auch niemand mehr.
Alex
Weitere Informationen:
Forderungen nach dem Killerspieleverbot werden lauter
Edmund Stoiber zum möglichen Killerspieleverbot
bisher 16 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben
1. Dm6 | 21.November 2006 at 23:40
Hi,
was ich nicht ganz verstehen kann ist, dass immer die jenigen sich über diese Spiele auslassen, die sie garnicht kennen! Würde einer der Politiker mal eines der großen Tuniere von Counterstrike und CO miterleben, würden sie sehen, dass es diesen Personen nicht um das ermorden der virtuellen “Gegner” geht, sonder vielmehr um den Reiz des taktischen Wettbewerbes.
vorallem würden diese Personen sehen, dass es bei den meisten Titel USK 16 meist garkein Blut oder nur Grünes ETC gibt! nicht wie es heute in der Bildzeitung stand!
Meine Frage ist nur, hätten die Amokläufer alle Stöbergewählt wären sie ihn dann auch verbieten ? ? ?
Danke das musste jetzt sein
2. A. Kohnke | 22.November 2006 at 07:31
Ich bin ganz der Meinung des Antragstellers.
Im übrigen sollte man wenn Spiele wirklich verboten werden, aufgrund ihrer Gewaltmenge, auch die Kinofilme verbieten in denen Menschen umgebracht werden.
Wer das nicht in gleicher relation sieht, träumt vor sich her.
Es gibt Filme, die sehr aktuell sind und davon handeln wie Ärzte einen Geldbetrag in ein Unternehmen zahlen um dort in Seelenruhe einen von der Firma gekidnapten Menschen foltern zu können, (siehe Hostile), oder die Filme von SAW.
Sowas boomt, es ist geliebt, die Leute sind geil darauf sowas zu sehen und niemanden schert das.
Überall ist nunmal Gewallt und das fängt bei Pokito.tv mit den Zeichentrickfilmen an.
He-Man, MARS, …. oder die Spielfiguren von Heute.
Ein Großteil des Kapitalmarktes besteht aus Clustern, die Gewalt verherrlichen, sie zeigen,
Ich bin gespannt wie unser so ehrbares Rechts und Gesundheitsverständniss all diese Sachen (die Teilweise echt schlimmer als ein Egoshooter sind) aus der Welt schafft um unsere Erde sicherer zu machen.
Das wars, danke fürs lesen.
3. WeAreRobots | 22.November 2006 at 07:55
DUMMHEIT TÖTET!!!
Danke Politiker…
4. madmax | 25.November 2006 at 19:29
meine meinung is im umkreis ja eh bekannt^^
aber ich meld mich trotzdem nochmal zu wort:
erstens: kann man nichts verurteilen, wovon man sich nicht einmal selbst eine meinung macht/machen will.
mir hängen “experten” zum hals heraus, die meinen sich öffentlich äußern zu müssen und so viel wissen von der materie, wie ein durchschnittsbürger vom paarungsverhalten eines afrikanischen elephanten. da wird dann auch mal gern lara croft ein “killerspiel” genannt. (nicht nur, dass das nicht der titel des spiels ist sondern der name der protagonistin, es beweist auch noch außerordentliche sachkenntnis, dieses spiel als brutal zu bezeichnen)
zweitens: sind wie immer die relationen völlig absurd (hat einer meiner vorposter ja schon angesprochen). auch die tatsache, dass die waffen im fall von emsdetten ganz legal von jeder person über 18 erworben werden können (anscheinend sogar ohne waffenschein o.ä.)
drittens: ist es blauäugig anzunehmen, eine solche tat beruhe nur auf einer störung ausgelöst durch ego-shooter. meiner meinung nach sind faktoren wie das soziale umfeld, psychische stabilität von vornherein und anderes viel schwerwiegender. nur bietet keins dieser probleme genug angriffsfläche, um in der öffentlichkeit von politikern zur selbstdarstellung oder zum stimmenfang ausgeschlachtet zu werden.
da liegt die größte problematik. es ist halt einfach populärer die bösen “killerspiele” anzuprangern.
jm2c
max
5. patteb | 26.November 2006 at 03:04
ich bin auch großteils deiner meinung.
70% Aller amokläufer spielen Counterstrike. 99,9% essen brot. Verbietet Brot !
Nur das mit den schützenvereinen seh ich etwas anders, möge es daran liegen dass ich selbst aktiver Schütze bin: Beim Sportschießen lernt man vorallem Selbstbeherrschung und Körperkontrolle. Evtl. herrscht beim Autor die Meinung vor im Schützenverein wird nur gesoffen und wild mit der Knarre auf menschensillouetten gehalten, aber die Realität sieht anders aus. Es ist nicht so leicht wie es sich anhört, 45-60 mal exakt das gleiche zu tun, dabei den exakt gleichen, stabilen Stand zu halten. für 40 gewertete Schuss hat man 75min Zeit. In dieser Zeit wird der gesamte Körper von der Hüfte abwärts möglichst nichtmehr bewegt. Und getrunken wird auch nicht anders als in allen anderen Vereinen. entweder gar nicht, oder erst nachdem man auf dem Schießstand war, und dann auch in Maßen. Wir haben nur halt noch meist die Schützenfeste.
Es ist halt einfach zu leicht an scharfe Waffen ranzukommen. Wer sich wirklich die mühe macht einen Waffenschein zu machen, hat sich das vorher gut überlegt. Erstens sind die mit min 800€ ziemlich teuer und dann kommt da nochmal dieWaffen hinzu zweitens ist das enorm Zeitaufwendig und drittens wird man auch einem psychologischem Test unterzogen, bei dem potentielle Amokläufer wahrscheinlich auffallen würden.
Ob ich 800€ in einen Waffenschein investiere oder in Waffen direkt ist für illegale Aktivitäten Planende wohl eher ne Scherzfrage.
Die weitere Erschwerung im Umgang mit waffen seh ich auch sehr kritisch: Den Sportschützen wird das Leben erschwert, zum Beispiel ist es in unserem Verein nur einer Person erlaubt, de scharfen Waffen (unser Verein hat nur Kleinkaliber-, Luftgewehre und Luftpistolen) zu Transportieren, da nur der Vereinsvorsitzende Eigentümer ist. Dies macht es logistisch aufwendig zu Wettkämpfen zu fahren, wenn die zuständige Person berufstätig ist.
Die lösung kann nicht darin liegen, den Umgang mit schon vorhandenen Waffen einzuschränken, sondern eine eindämmung de Schwarzmarktes, so dass man gar nicht erst unqualifiziert an Waffen Kommt .
6. patteb | 26.November 2006 at 03:05
geschossen wird übrigens auf scheiben in ringform ^^
7. ARPAD | 26.November 2006 at 11:23
Dem kann ich nur beipflichten.
Ich bin ebenfalls Schütze im Verein schiesse Luftpistole und bin überzeugt davon, dass kein Schütze der sich ernsthaft mit dem Sportschiessen beschäftigt in die Schule lauffen würde und wahllos auf Leute schiessen würde (wenn ein Schütze das tun würde dann nicht wahllos sondern exakt gezielt ;-)
Was ich damit sagen will ist, dass bei Schiessen die sportlichen Aspekte klar im vordergrund stehen – wie sie “patteb” schon genannt hat.
# Jetzt noch was in “privater” Sache zu Thema “Killerspiele”:
Immer wenn es nach einem Amoklauf heißt: die Killerspiel sind schuld – verbietet Killerspiele, da der Amokläuffer COUNTERSTRIKE gespielt hat. Meiner Meinung nach müsste man “Killerspiel” schon längst verboten haben, denn Killerspiele sind Spiele wie Postal und Menhunt. ABER DASS COUNTERSTRIKE ALS ERSTES GENANNT WIRD WENN ES UM EIN KILLERSPIELVERBOT GEHT – DAS KAN ICH NICHT VERSTEHEN. Jeder der das Spiel einigermaßen kennt weiß dass es ( bei richtiger Anwendung) dabei deutlich mehr um Teamfähigkeit,Takitk (v.a. im Team), Verlässlichkeit, Genauigkeit, Schnelligkeit geht. Das dabei Spielermodels umfallen weil sie im Fadenkreuz eines anderen Spielers standen ist eben die Darstellung davon, das der “andere Spieler” in einem oder mehr (ich nenn es “Tugenden des CS”) besser war.
—-> VÖLLIGES UNVERSTÄNDNIS WARUM CS DRAN GLAUBEN MUSS, DASS KILLERSPIELE AUFGRUND SOZIALER MIßSTÄNDE VERBOTEN WERDEN (Killerspiele ja, aber CS nein!)
Außerdem kann ich an mir ein exempel statuieren:
Ich bin seit 4 Jahren aktiver Sportschütze, Spiele seit 1 1/2 Jahren Counterstrike [http://www.spvgg.de.gg] und bin in den letzten 12 Schuljahren NICHT mit einer Waffe (obwohl ich eine Besitze) wegen n paar schlechten Noten in die Schule gerannt um alle Nierderzuschiessen…….
Das sollten sich einige “reaktionäre” Politiker überlegen bevor sie für die Öffentlichkeit (FALSCH) handeln und etwas bekämpfen was keinen Einfluss hat auf Amokläuffe.
Aber: Es ist eben leichter 2 Tage nach dem Amoklauf ein Killerspielverbot rauszulassen als 10 Jahre VORHER soziale Probleme zu bewältigen… schade
8. Crazylifeblog | 26.November 2006 at 23:13
Wirklich sehr schlimm, wenn sie merken, daß die spiele einfach im ausland gekauft werden bzw weiterhin bei emule geladen werden, kommt als nächstes das deutschnet weil das internet ja eine gefährdung der inneren sicherheit ist :-)
9. Hut Blogger | 28.November 2006 at 17:37
Irgendein kluger Kopf hat mal gesagt:
Alles ist Gift, es kommt nur auf die Dosis an.
Man kann sich mit dem Trinken von 20 Litern Wasser genau so umbringen wie mit einem Tropfen Schlangengift.
Genau so sehe ich es mit Videogames. Ich hab in meinem Leben auch schon so fast alles an Shootern durchgespielt was da ist. Wenn ich zuviel gespielt habe, wurde ich schon deutlich aggresiver. Da braucht man halt Selbstkontrolle um nicht zuviel zu Zocken, aber halt ein funktionierendes Umfeld (z.B. Eltern) die regelnd eingreifen.
Nur durch Zocken wird keiner zum Mörder, da muss was am Umfeld nicht gestimmt haben.
10. Crazy Lifeblog&hellip | 30.November 2006 at 10:27
Verbietet diese bösen Killerspiele…
Killerspiele sind gefährlich und führten in 2006 Jahren nach Christus zu 2 bösen Amokläufen von 2 Menschen, die mit der Gesellschaft nicht klarkamen und keine Perspektive sahen. Doch stolze 59% sind für ein Verbot von Killers…
11. Dieter | 05.Dezember 2006 at 15:14
Natürlich liegt es am Umfeld, der arme Kerl hat doch einen Abschiedsbrief geschrieben und indirekt erläutert, warum er diese Tat begangen hat. Er wurde von der Gesellschaft ausgegrenzt, niemand wollte ihm helfen, sondern alle in seiner Umgebung inkl. Lehrer sahen in ihm nur einen Verlierer.
12. Presse Sau | 16.Februar 2007 at 15:38
Absolut recht hast du!
Man kann durchaus argumente dafür und dagegen haben!
Aber das was die Politiker derzeit abziehen ist billiegster populismuß der übelsten art.
ebenso könnte man sagen das alle amokläufer eine blujens der marke xy im schrank hatten und deshalb zu amokläufer wurden.
die tatsächlichen gründe will man wohl einfach nicht sehen und sucht deshalb nach einfachen erklärungen.
zum kotzen das ganze!
persönlich spiele ich zwar keine ego shuter und es kann mir egal sein.
doch kommt es mir immer mehr so vor das man hatz auf kleine gruppen macht und damit die leute von den eigentlich wichtigen problemen und diskussionen ablenken will!
13. lolkk | 10.März 2007 at 17:46
Ich glaube nicht, dass das verbieten von killerspielen die einzige Maßnahme ist um die Jugendgewalt in den Griff zu bekommen.
Ich muss als erstes meine Meinung erwähnen: Ich bin ebenfalls der Meinung wie weiter oben, dass die Dosis das Gift macht. Wenn echt den ganzen nichts anderes sieht dann verändert man sich schon ziemlich schnell ins negative. Des weiteren hatte ich vor wenigen Monaten in den Nachrichten gehört, dass ein Jugendlicher einen Obdachlosen erschlagen hatte weil er vorher einen Ego-shooter gespielt hatte (laut der Aussage des Täters). Man kann jetzt natürlich nicht mit absoluter Wahrscheinlichkeit sagen ob es sich hierbei um die Absicht einer Minderung der Strafe gehandelt hat oder ob hier die Wahrheit gesprochen wurde.
Aber man könnte eigentlich fast beruhigt sein wenn laufende Piltoprojekte, wie an einer Schule arbeiten die Schule die Polizei und die Eltern zusammen was wunderbar funktioniert, schneller Bundesweit umgesetzt würden. Dazu gab es auch bereits runde Tische bestehend aus einem Politiker, Richter, Hooligen, ehemaligen Täter und einer Direktorin einer Schule. Man muss sich also keine Sorgen machen, dass das verbieten der Killerspiele das einzige wäre um die genannten Probleme in den Griff zu bekommen. Die anderen Sachen werden halt leider nicht so oft publiziert.
14. Jessica | 12.März 2007 at 04:12
Also ich finde es voll abartig, wieso schiesst ihr nicht einfach auf virtuelle Coladosen , weil da kein Blut rausspritzt oder weil die nicht vor Schmerzen schreien ?
Seid Ihr schonmal wirklich angeschossen worden und wisst ihr wie das ist ? Es ist einfach nur pervers das zu verharmlosen und noch dazu Kinder sowas spielen zu lassen. Diese Leute brauchen dringend einen Therapeuten, und das nicht nur wegen Emsdetten oder anderen Amokläufern. Jessy
15. Alexander Franke | 12.März 2007 at 09:22
Ich spiele keine Ego-Shooter. Das habe ich bereits geschrieben.
Und was hat das mit dem Angeschossen werden zu tun? DAS (angeschossen werden) verharmlost sicherlich niemand.
Alex
16. Webkatalog Anja | 04.September 2007 at 13:58
Ich sehe es ähnlich. Ego-Shooter machen noch lange keinem zum Mörder, verharmlosen darf man diese Spiele jedoch auch nicht, da wohl nicht abzustreiten ist, das diese Spiele eine gewisse Beeinflussung auf die Psyche eines Menschen (insbesondere Kinder) haben.
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