Monatsarchiv für März, 2007

Alle weiteren Arcade Fire Konzerte in Europa abgesagt!

Ich hatte insgeheim gehofft, diese Nachricht wäre nur eine schlechte Fälschung, doch leider wurde es von mehreren Seiten bestätigt und ist somit traurige Wahrheit:

Aufgrund einer schlimmen Nasennebenhöhlenentzündung (andere Quellen reden von einer “Stirnhöhlenerkrankung”) des Sängers Win Butler werden alle weiteren Termine von The Arcade Fire in Europa gestrichen. Die folgenden Konzerte fallen also aus:

Mar 24 Oslo, Sentrum Scene
Mar 25 Copenhagen, KB Halle
Mar 27 Berlin, Postbahnhof
Mar 28 Munich, Georg-Elser-Halle
Mar 31 Lyon, Transbordeur
Apr 1 Cologne, Palladium
Apr 2 Utrecht, Vredenburg
Apr 4 Brussels, Halles de Schaerbeek
Apr 5 Lille, L’Aeronef

Ich schwanke zwischen Ohnmacht und Trauer. Die monatelang aufgestaute Vorfreude verwandelt sich in eine tiefe Depression. Mit Ersatzterminen ist nicht vor Ende des Jahres zu rechnen. Zum Umtausch bzw. zur Rücknahme der Tickets solle man sich an den Veranstalter wenden.

Es hätte nicht schlimmer kommen können. Die Band des Jahrzehnts sagt ihre Konzerte in Europa ab.
Bleibt nur noch eins zu sagen: Gute Besserung, Win!

Alex

Quelle: http://www.arcadefire.net/tour-dates/european-tour-cut-short-due-to-illness/

bisher 1 Kommentar 25.März 2007

Zur Verteidigung des (last.fm-)Mainstreams

Nachdem ich auf http://mainstream.vincentahrend.com/ erfahren habe, dass meine bei last.fm gescrobbelte Musik fast “60% Mainstream ist”, habe ich, vielleicht notgedrungen, begonnen darüber nachzudenken, was schlecht am Mainstream sein soll.

Zunächst einmal sollte man vielleicht feststellen, dass das last.fm Durchschnittsmitglied völlig andere Musik hört, als der durchschnittliche “Pophörer”. Dadurch erscheint es durchaus fragwürdig, selbst die populärsten Bands bei last.fm präventiv als Mainstream abzustempeln. Zu den Top20-Bands bei last.fm gehören beispielsweise The Killers und The Shins, die, trotz ihrer Popularität im Nischenbereich des Indie, vom Mainstreamradio großteils ignoriert werden.
Die erste Feststellung sollte daher lauten: Last.fm wird primär von jungen, fortschrittlichen Internetusern benutzt. Daher ist es beinahe vorhersehbar, dass Tokio Hotel und DSDS-Retortensänger hier nicht unbedingt Fuß fassen. Was bei last.fm viel gehört wird, muss in der gemeinen Popkultur noch lange nicht populär sein und andersherum. Wenn es ein reines Metal-Last.fm gäbe, und man dort ein Mainstream-O-Meter einrichten würde, dann würde das Ergebnis auch nicht viel über den Anteil der Populärmusik am Musikgeschmack eines Mitglieds aussagen.

Zweitens denke ich, dass man sich nicht dafür schämen muss, populäre Musik zu hören. Es ist genauso töricht, populäre Musik zu hören, weil sie populär ist, wie sie nur aus diesem Grund abzulehnen. Muss man aufhören, The Arcade Fire zu genießen, nur weil diese Band momentan von allen Feuilletons gefeiert wird? Der Hype kommt, der Hype geht vorbei, die gute Musik bleibt. In den meisten Fällen wird es wohl einen Grund geben, warum eine Band / ein Lied besonders populär ist. Wieso sollte man dieses Lied / diese Band nicht mögen? Muss ich etwas ablehnen, weil es die Mehrheit mag? Nein.
Die zweite Feststellung muss daher lauten: Höre die Musik, die dir gefällt! Egal, ob sie populär ist, oder nicht. Vergiss nie, dich nach neuen Bands “umzuhören”, aber schäme dich auch nicht dafür, Musik zu genießen, die allgemein als hörbar akzeptiert wird. Die Mischung macht’s!

bisher 4 Kommentare 23.März 2007

The Arcade Fire: Neon Bible

Einige Zeit lang habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich diesen Artikel am besten benennen sollte.

Mit jeder Überschrift bin ich zum Scheitern verurteilt, kein Satz von 5-10 Wörtern kann beschreiben, was für ein stimmungsvolles Meisterwerk The Arcade Fire gelungen ist, jeder Beschreibungsversuch wäre in diesem Zusammenhang eine unzumutbare Untertreibung der Leistungen dieses Indie-Orchesters.

An dieser Stelle könnte ich, wie die meisten Feuilletons komischerweise auch (sogar der Stern…), erwähnen, dass David Bowie, U2, Coldplay und viele andere ihre Sympathie für Arcade Fire bekundet haben, doch was würde das schon aussagen? Nicht mehr, als dass Ihnen gute Musik gefällt. Und wer könnte es Ihnen verübeln?
Wer Funeral gehört hat und in Neon Bible ein zweites solches erwartet, wird wohl enttäuscht. Die Texte sind noch verzweifelter, die Musik düster geworden.
Zwar gibt es Songs wie “Keep The Car Running” oder “No Cars Go”, welche auch auf Funeral ihren Platz bravourös eingenommen hätten (verständlich, No Cars Go stammt ja sogar noch aus Zeiten vor Funeral), aber insgesamt ist dieses Album tiefgründiger und selbstkritischer geworden. Die emotionalen Brennpunkte dieser düsteren Offenbarung stellen wahrscheinlich “Ocean Of Noise” und das wirklich überwältigende “Intervention” dar. Treffender und einfacher als ein Radiomoderator von BBC kann man es wohl nicht formulieren:
“If that doesn’t get you, man, if that doesn’t get you somewhere special. I’m sorry for you.”

Wenn Funeral einem Traum glich, gleicht diese Prozession, dieser dunkle Gottesdienst, wohl eher einem Albtraum. Interessanterweise schafft es The Arcade Fire jedoch, nie in endgültige Depression abzurutschen. Der Weltschmerz wird offenbart, die Verzweifelung aufgezeigt, und doch bleibt immer ein Hoffnungsschimmer. Nie bleibt die Musik stehen, in ihrer eigenen Verzweifelung hängen, immer kämpft sich die Zuversicht hervor, bahnt sich ein Ausweg an. Das Album macht melancholisch, aber glücklich.

Nie war es schöner, den Untergang der menschlichen Zivilisation und des Hedonismus zu zelebrieren. Nie wurde Agnostizismus schöner ausgedrückt. Der Wille zu glauben und die Gewissheit nicht glauben zu können. Nie war man sich der eigenen Überflüssigkeit, niedergerungen und überwältigt durch Orgel und Glockenspiel, bewusster als hier. Und doch gibt dieses Album Halt und Zuversicht. Du bist nicht allein.

Opium für die geschundene Seele? Die Bibel des 21.Jahrhundert? Vielleicht. Auf alle Fälle ein grandioses Spektakel zwischen spirituellen, instrumentalen Pomp und einer vom Rationalismus zermürbten, tief im Innern jedoch zutiefst pathetischen Seele.

“Been Working for the church while my family dies.
Your little baby sisters goinna lose her mind.
Every spark of friendship and love
Will die without a home.”

Hear the soldier groan, “We’ll go at it alone”.

I can taste your fear
It’s gonna lift you up and take you out of here.
And the bone shall never heal;
I care not if you kneel.

bisher 2 Kommentare 12.März 2007



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