The Arcade Fire: Neon Bible
12.March 2007
Einige Zeit lang habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich diesen Artikel am besten benennen sollte.
Mit jeder Überschrift bin ich zum Scheitern verurteilt, kein Satz von 5-10 Wörtern kann beschreiben, was für ein stimmungsvolles Meisterwerk The Arcade Fire gelungen ist, jeder Beschreibungsversuch wäre in diesem Zusammenhang eine unzumutbare Untertreibung der Leistungen dieses Indie-Orchesters.
An dieser Stelle könnte ich, wie die meisten Feuilletons komischerweise auch (sogar der Stern…), erwähnen, dass David Bowie, U2, Coldplay und viele andere ihre Sympathie für Arcade Fire bekundet haben, doch was würde das schon aussagen? Nicht mehr, als dass Ihnen gute Musik gefällt. Und wer könnte es Ihnen verübeln?
Wer Funeral gehört hat und in Neon Bible ein zweites solches erwartet, wird wohl enttäuscht. Die Texte sind noch verzweifelter, die Musik düster geworden.
Zwar gibt es Songs wie “Keep The Car Running” oder “No Cars Go”, welche auch auf Funeral ihren Platz bravourös eingenommen hätten (verständlich, No Cars Go stammt ja sogar noch aus Zeiten vor Funeral), aber insgesamt ist dieses Album tiefgründiger und selbstkritischer geworden. Die emotionalen Brennpunkte dieser düsteren Offenbarung stellen wahrscheinlich “Ocean Of Noise” und das wirklich überwältigende “Intervention” dar. Treffender und einfacher als ein Radiomoderator von BBC kann man es wohl nicht formulieren:
“If that doesn’t get you, man, if that doesn’t get you somewhere special. I’m sorry for you.”
Wenn Funeral einem Traum glich, gleicht diese Prozession, dieser dunkle Gottesdienst, wohl eher einem Albtraum. Interessanterweise schafft es The Arcade Fire jedoch, nie in endgültige Depression abzurutschen. Der Weltschmerz wird offenbart, die Verzweifelung aufgezeigt, und doch bleibt immer ein Hoffnungsschimmer. Nie bleibt die Musik stehen, in ihrer eigenen Verzweifelung hängen, immer kämpft sich die Zuversicht hervor, bahnt sich ein Ausweg an. Das Album macht melancholisch, aber glücklich.
Nie war es schöner, den Untergang der menschlichen Zivilisation und des Hedonismus zu zelebrieren. Nie wurde Agnostizismus schöner ausgedrückt. Der Wille zu glauben und die Gewissheit nicht glauben zu können. Nie war man sich der eigenen Überflüssigkeit, niedergerungen und überwältigt durch Orgel und Glockenspiel, bewusster als hier. Und doch gibt dieses Album Halt und Zuversicht. Du bist nicht allein.
Opium für die geschundene Seele? Die Bibel des 21.Jahrhundert? Vielleicht. Auf alle Fälle ein grandioses Spektakel zwischen spirituellen, instrumentalen Pomp und einer vom Rationalismus zermürbten, tief im Innern jedoch zutiefst pathetischen Seele.
“Been Working for the church while my family dies.
Your little baby sisters goinna lose her mind.
Every spark of friendship and love
Will die without a home.”
Hear the soldier groan, “We’ll go at it alone”.
I can taste your fear
It’s gonna lift you up and take you out of here.
And the bone shall never heal;
I care not if you kneel.
bisher 2 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben
1. weigel | 18.June 2007 at 00:02
Super
2. Weigel | 18.June 2007 at 00:04
SPER SUPER GEIL
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