Posts gespeichert unter 'Rezensionen'

Deutschland durch die gelbe Brille

Eric T. Hansens Planet Germany ist lustig und gut zu lesen, unterhält für eine Weile und bietet dem Leser Deutschland aus einem anderen Blickwinkel.

Doch genau hier liegt das Problem. Wer eine neutrale Auseinandersetzung mit der deutschen Gesellschaft erwartet, wird leider enttäuscht. Deutschland wird nicht von außen, sondern von einem anderen innen betrachtet. Die rosarote Brille der Deutschen wird abgelegt und gleichzeitig die gelbe der Amerikaner aufgesetzt. Das Geschichtsverständnis Hansens ist geprägt von amerikanischen Vorstellungen, von amerikanischen Werten. Entweder war Hansen nicht ehrlich zu sich selbst oder er weiss es nicht besser. Darunter leidet das Buch – und an der Verquickung statistischer Fakten und Hansens eigenwilliger Interpretation dieser Befunde. Schade! Dabei bietet das Thema des Buches genügend Diskussionsstoff.

Falls man keine allzu bestechende Darstellung der deutschen Geschichte erwartet und sich aus der manchmal etwas oberflächlich wirkenden Argumentation Hansens die interessanten Informationen herauspicken kann, wird mit diesem Buch trotzdem einige unterhaltsame und aufschlussreiche Stunden verbringen.

jetzt kommentieren? 30.Juli 2007

Buchtipp: Einführung in die Philosophie

Viele Menschen wollen sich mit Philosophie beschäftigen. Sei es rein interessehalber, sei es aus schulischen/beruflichen Gründen.

Doch oft fehlt einfach die Zeit oder das Vorwissen, sich intensiv mit den Werken großer Philosophen zu beschäftigen – eine kleine Einweisung in grundsätzliche Fragen der Philosophie müsste her.

Und da kommt ein kleines Buch ins Spiel: "Was bedeutet das alles? Eine ganz kurze Einführung in die Philosophie" von Thomas Nagel.

Das Buch beschäftigt sich mit 10 essentiellen Fragen der Philosophie: Woher wissen wir etwas (woher wissen wir, dass nicht nur unsere Wahrnehmung existiert), Das Fremdpsychische (Probleme der "Vergleichbarkeit" von eigenen Gefühlen und denen von anderen Wesen ), Das Psychophysische Problem (Zusammenhang Körper-Geist), Die Bedeutung von Wörtern, Willensfreiheit (Können wir, was wir wollen und woher wissen wir, dass wir es wollen), Recht und Unrecht, Gerechtigkeit und Der Tod (Muss es ein Leben nach dem Tod geben?).

Alle Themen werden angeschnitten und ihre Problematik vorgestellt. Dann stellt der Autor verschiedene Lösungsansätze vor, bestimmt aber nicht, welcher Ansatz der Richtige sei.

Das Buch ist in einem auch für Laien verständlichen Wortschatz geschrieben, und es sollte keine Schwierigkeiten darstellen, den Gedanken des Autors zu folgen. Einzig wer Zitate historischer Philosophen sucht, ist bei diesem kleinen Buch falsch. Das Buch beruft sich nicht auf bereits bestehende Philosophen, sondern versucht alles in sich selbst schlüssig zu begründen.

Meiner Meinung nach ist das Buch der perfekte Einstieg für alle, die sich mit Philosophie beschäftigen wollen, aber bisher dazu keine Zeit gefunden haben. Das Buch regt zum Mitdenken an und macht Lust auf mehr. Für 2,60€ kann man nicht viel falsch machen!

bisher 4 Kommentare 04.November 2006

Buchtipp: Boot Camp von Morton Rhue

Heute möchte ich euch etwas über das Jugendbuch “Boot Camp” von “Morton Rhue” erzählen. Morton Rhue kommt euch vielleicht von dem Buch “Die Welle” bekannt vor.
Ich bekam das Buch von unserer Nachbarin zu meinem Geburtstag geschenkt, deshalb machte ich mich heute ans lesen. Die 250 Seiten hatte ich in knapp 2 Stunden durch, und ich muss sagen, dass das Buch mich wirklich berührt hat…

Es geht um einen Jungen namens Connor Durrell, der von seinen Eltern in ein “Bootcamp” gebracht wird. Diese “Bootcamps” kann man sich grob als Umerziehungslager für “schwierige” Jugendliche darstellen. Connor Durrell wird als intelligenter und menschlicher Junge dargestellt, dessen Verhalten seine karrieregeilen Eltern oft in Verlegenheit bringt, da er ehrlich und aufrichtig ist. Er hat eine Beziehung mit einer (ehemaligen) Lehrerin, was den Hauptgrund für die Einlieferung durch seine Eltern darstellt. Das Lager wird von sadistischen Erziehern geleitet, die nur darauf aus sind, ihre Macht auszuspielen und die Kinder zu demütigen, um ihren Willen zu brechen (Intellektuell gesehen ist Connor seinen Erziehern weit überlegen). Auch Gewalt gegenüber den Jugendlichen gehört zur Tagesordnung. Um jedoch nicht verantwortlich gemacht zu werden, sollen die Jugendlichen sich gegenseitig denunzieren, demütigen und schlagen. Dazu gibt es verschiedene Ränge im Lager. Hörige Denunzianten steigen in der Rangordnung des Lagers schnell auf, und genießen Sonderrechte. Wer Level 6 erreicht (es beginnt mit Level 1) kann das Lager verlassen, da er, in der Weltanschauung der Wärter, ein anderer, besserer Mensch geworden ist.

Connor merkt schnell, dass er nicht weit kommen wird, sich zu verstellen, und den Wärtern dass gewünschte Verhalten vorzuspielen, da sie in durchschauen. Sie wollen, dass er das Verhalten nicht vorspielt, sondern ernsthaft praktiziert. Völlig getrennt von der Außenwelt kämpft sich Connor im Lager durch und lernt auch zwei neue Freunde kennen: Pauly und Sarah. Pauly ist ein dicklicher Schwächling, der von allen gerne geärgert wird und deshalb das Lager verlassen möchte. Sarah ist ein Mädchen, dass bereits zweieinhalb Jahre im Lager verbringt, und eine der wenigen “Gefangenen” ist, die sich nicht verbiegen lässt. Sie sagt ihre Meinung offen und wird deshalb oft verprügelt. Gemeinsam brechen die drei aus dem Lager aus und versuchen sich nach Kanada durchzuschlagen. Ob die Flucht erfolgreich endet, möchte ich an dieser Stelle noch nicht verraten… Nur eins: das Ende ist anders, als man zuerst erwartet. Vielleicht erinnert es einen ein bisschen an “Einer flog über das Kuckucksnest”, aber mehr sag ich jetzt wirklich nicht…

Insgesamt ein wirklich bedrückendes und mitreißendes Buch, dass ich wirklich empfehlen kann… Jeder Jugendliche, der sich ein kleines bisschen mit Psychologie und dem Verhalten von Menschen, die ein wenig Macht über andere gewinnen, beschäftigen will, ist bei diesem kurzweiligen Buch an der richtigen Stelle.

Du kommst hier nicht raus,
wenn du Ihnen vorspielst,
was sie haben wollen.

Du kommst hier erst raus,
wenn du bist,
was sie haben wollen.

bisher 64 Kommentare 24.März 2006



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