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Die Live Earth-Tragödie

Letzten Samstag fanden unter dem gemeinsamen Motto “Live Earth – The Concerts For A Climate In Crisis” an zehn verschiedenen Orten weltweit Konzerte gegen den Klimawandel und für mehr ökologisches Engagement statt.

Die Idee Al Gores, den Klimawandel durch die Konzerte in das öffentliche Interesse zu rücken, ist grundsätzlich zu begrüßen. Jede große Revolution beginnt in einem Kopf und verbreitet sich von dort aus in der Gesellschaft. Die Umsetzung dieses Vorhabens scheint für mich jedoch äußerst zweifelhaft. Je mehr ich über die Veranstaltung nachdenke, desto mehr muss ich daran zweifeln, dass die gesteckten Ziele erreicht wurden.

Zum Einen ist es vielen Besuchern der Veranstaltung sicherlich gänzlich egal, welches Ziel verfolgt wird, solange man kostenlos Bands ansehen kann und die Stimmung “geil” ist.
Und selbst wenn das Bewusstsein der Problematik vorhanden ist: Letztendlich läuft es doch meistens auf die “Klimawandel ist scheiße” Aussage raus. Doch so etwas sagt sich leicht. Zu leicht. Zweifelsohne kann man auch auf die “CO2-Sünder” USA und VR China verweisen. Und natürlich ist es richtig, dass jedes Land seinen Beitrag zur Senkung klimaschädlicher Emissionen beitragen muss.
Das Wort Jeder macht aber unmissverständlich klar, dass es eben nicht nur um den CO2-Ausstoß bestimmter Länder wie den USA und deren Bewohner gehen darf, sondern dass es das Engagement jedes einzelnen Menschen, auch jedes Deutschen braucht. Es nützt nichts, anderen Nationen den schwarzen Peter in die Schuhe zu schieben, zumal viele Produkte auf dem deutschen Markt billig und besonders klimaschädlich in China produziert werden – damit wir billig einkaufen können.
Der erste Schritt zu einem geringeren CO2-Ausstoß ist eine Bewusstmachung und Veränderung unseres Verhältnisses zur Natur: Wir sind Teil der Biosphäre und somit auf eine intakte Umwelt (der Begriff an sich ist unglücklich gewählt, leben wir doch in diesem Gebilde, der Begriff Umwelt vermittelt aber ein Gefühl von Separation) angewiesen. Wir müssen von der Vorstellung abkommen, dass der Mensch eine Sonderstellung innerhalb dieses Systems einnimmt, hin zu einem respektvollen Umgang mit unserer Umwelt und einem verantwortungsbewussten, dem menschlichen Geist würdigen, Handeln. Klimawandel “scheiße finden” kann jeder, auch ein Pop-Sternchen oder die Musikindustrie. Einen eigenen Beitrag zur Verhinderung bzw. Verringerung des Klimawandels leisten und eine veränderte Wahrnehmung unserer ökologischen Verantwortung schaffen erfordert mehr Mut. Und mehr Taten.

Zum Anderen muss man sich fragen, wie ernst es die Betreiber mit der Botschaft von Live Earth wirklich meinen, wenn Unternehmen wie Mercedes (bzw. Smart), Ebay, Chevrolet, PepsiCo, Philips und MSN (respektive Microsoft) die Veranstaltung finanzieren (dürfen). Klar verbraucht ein Smart wesentlich weniger Treibstoff als ein SUV-Fahrzeug. Die Frage ist aber eher, ob man nicht häufig gänzlich auf das Auto verzichten könnte. Die Wahl zwischen SUV und Kleinwagen ist letztendlich doch nicht mehr als die Wahl zwischen Pest und Cholera.
Außerdem bietet ein solches Festival den teilnehmenden Unternehmen eine erstklassige Möglichkeit, das eigene Öko-Image kostengünstig aufzubessern ohne die eigentliche Produktpalette umweltfreundlich zu gestalten. Hier versucht man schamlos, jahrelange Versäumnisse auszugleichen. Wer wirklich umweltfreundlich produziert, braucht sein Image nicht über ein Festival zurechtbiegen.

Und dass sich solche Festivals für die Unternehmen, gerade auch für die Musikindustrie lohnen, hat sich spätestens nach Live8 vor zwei Jahren gezeigt: Die Plattenverkäufe der teilnehmenden Künstler vervielfachten sich innerhalb Tagesfrist. Eine karitative Veranstaltung dieser Größenordnung kann sich also auch finanziell durchaus lohnen.
Wieso keine Initiative dafür, dass man einen Tag auf Musik aus Lautsprechern verzichtet und auf eigene Instrumente und Straßenmusiker in der näheren Umgebung zurückgreift? Leider lässt sich damit nichts verdienen. Der Umwelt wäre damit jedoch mehr geholfen.

Hat es Live Earth tatsächlich geschafft, seine Botschaft im kollektiven Bewusstsein der Gesellschaft zu verankern? Oder sind die Menschen nicht viel mehr gekommen, um Madonna, Pussycat Dolls und Xzibit zu sehen, welche von der Problematik des Klimawandels vermutlich so viel verstehen, wie Mariah Carey von Entwicklungspolitik (“I feel so bad for all those starving African children. I mean, I’d love to be that skinny and all, but not with all of those flies and diseases.”. Sie hat seinerzeit übrigens am Live8 Konzert für mehr Entwicklungshilfe teilgenommen)?

Zurückbleiben nur die Erinnerungen an ein tolles Festival mit kollektiver Ekstase, das Gefühl, Gutes getan zu haben, Tonnen von Abfall und schätzungsweise 110000 Tonnen zusätzliches CO2. Ob diese durch das angestoßene Umdenken schnell kompensiert werden können, ist fraglich. Eine paradoxe Tragödie.

bisher 1 Kommentar 14.Juli 2007

Arcade Fire kündigen Deutschland-Tour an!

Endlich! Arcade Fire kommen doch nach Deutschland: Nach der leider abgesagten Europa-Tour im März kommen wir jetzt doch noch in den Genuss des Indie-Orchesters.

Zu dem bereits festgelegten Konzerttermin am 22.8. in Köln gesellen sich nun noch zwei weitere Termine in Berlin und München Anfang November!
Leider sind die Tickets für München (noch?) nicht über muenchenticket.de erwerbbar, aber bei getgo und eventim hat der Vorverkauf am 6.7.2007 gestartet.
Nachfolgend die Links zu getgo.de (Referral-Link von mir):

22.08.2007, Köln, Palladium


08.11.2007, Berlin, Columbiahalle


11.11.2007, München, Tonhalle

Ich freue mich schon riesig – in Köln und München bin ich dabei! Keep the car running!

Alex

bisher 1 Kommentar 06.Juli 2007

Wer Bombe sagt, plant einen Anschlag

Am Samstag, den 23.6.2007 war Tag der offenen Tür im Bundesrat in Berlin. Da wir von der Schule aus gerade auf einer Bildungsreise in Berlin waren, ergriffen wir natürlich die Möglichkeit, diese berühmte Institution zu besichtigen. Dabei musste man, wenn man das eigentliche Sitzungsgebäude besichtigen wollte, die “üblichen” Sicherheitskontrollen (Metalldetektoren) durchqueren. Vor den Sicherheitskontrollen wurden jedoch Heliumluftballons verteilt, welche natürlich mit ins Gebäude genommen werden konnten.

Dabei geschah es, dass kurz nachdem ich die Sicherheitskontrolle durchquert hatte, ein Luftballon irgendwo hinter mir mit einem lauten Geräusch platzte. Ich schrie mit Leibeskräften leicht affektiert “Eine Bombe!” was die Sicherheitskräfte für einige Sekundenbruchteile ernsthaft zu verunsichern schien. Ich freute mich über den Vorfall, schließlich hielt ich die Terrorangst von jeher für ein Hirngespinst. Für mich war die Sache damit erledigt.

Wenige Sekunden später kommen zwei Polizeibeamte auf mich zu und sprechen mich, natürlich reichlich rüde, auf den Vorfall an. Da ich mich anfangs wenig kooperativ zeige, bitten sie mich, ihnen in eine Ecke zu folgen. Dort unterstellt einer von ihnen mir, eine Straftat begangen zu haben. Entsetzt entgegne ich, dass ich eindeutig keine Straftat begangen habe. Daraufhin wirft man mir vor, eine Straftat geplant zu haben. Auch das verneine ich, schließlich habe ich einfach nur “eine Bombe” gesagt. Ich frage den Polizisten, ob es denn auch eine Straftat sei, “ein Messer” zu sagen und auf welches Gesetz oder welche Verordnung er sich beruft. Er wirkt verunsichert, sein Redefluss beginnt abgehackt zu wirken. Nach einigen Sekunden Überlegens, wirft er mir “Paragraph 306…” entgegen. Ich begegne noch einmal, dass es sich bei meinem Ausruf weder um eine geplante, noch um eine ausgeführte Straftat handeln kann, gebe mich aber gleichzeitig einsichtig und betone, dass ich die Bedenken der Beamten an einem solchen Ort natürlich verstehen kann. Der Beamte sagt, etwas kleinlaut und dennoch bestimmt, dass man die Sache damit als erledigt ansehen würde und wünscht mir noch einen schönen Tag. “Danke, Ihnen auch.”.

Paragraph 306 des Strafgesetzbuches sagt folgendes:

(1) Wer fremde

1.Gebäude oder Hütten,
2.Betriebsstätten oder technische Einrichtungen, namentlich Maschinen,
3.Warenlager oder -vorräte,
4.Kraftfahrzeuge, Schienen-, Luft- oder Wasserfahrzeuge,
5.Wälder, Heiden oder Moore oder
6.land-, ernährungs- oder forstwirtschaftliche Anlagen oder Erzeugnisse

in Brand setzt oder durch eine Brandlegung ganz oder teilweise zerstört, wird mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren bestraft.

(2) In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.

Dieser Tatbestand lag also eindeutig nicht vor. Schließlich hatte ich weder einen Anschlag geplant noch ausgeführt. Trotzdem drohte mir die Polizei. Ohne ein begangenes Verbrechen. Aus Angst vor dem allgegenwärtigen Terror, der angeblich hinter jeder Ecke, in jeder Tasche, unter jeder Schuhsohle lauern kann. Wegen einer kleinen Aktion, welche die Lächerlichkeit der Sicherheitsgesetzgebung und der öffentlichen Terrorpanik aufzeigen sollte. Und es auch tat.

Alex

bisher 9 Kommentare 25.Juni 2007

PM-Magazin entdeckt Stahlatome

Schenkt man der Homepage von PM Glauben, so gibt es Stahlatome.

Die Wikipedia sagt folgendes:

Stahl bezeichnet alle metallischen Legierungen, deren Hauptbestandteil Eisen ist, und die als zweites Legierungselement Kohlenstoff mit einem Anteil unter 2% enthalten.

Hm, einer von beiden lügt.

bisher 8 Kommentare 15.Juni 2007

Neue lukrative Adsense- und Adwords-Alternative: Contaxe

Aus der Schweiz kommt eine neue Alternativefür Affiliates und Merchants, welche bisher auf Adsense und Adwords von Google zurückgreifen (mussten):

Das Ganze nennt sich Contaxe und bietet einige nette Neuerungen. So soll man die Werbeeinblendungen von Hand optimieren können, die Verwaltung soll einfacher und der Missbrauch des Systems schwieriger werden.
Besonders interessant ist jedoch die “Contaxe Lifetime Provision”: So wird man mit 12% an den Werbeumsätzen aller geworbenen Publisher/Affiliates beteiligt – und dies ein Leben lang. Vielleicht ein netter zusätzlicher Nebenverdienst?

Ob sich die Seite in der Praxis als echte Alternative etablieren kann und wie hoch die durchschnittliche Bezahlung pro Klick liegt, wird sich ab 1.7.2007 zeigen – dann startet der Dienst nämlich. In jedem Fall gilt: Konkurrenz belebt das “Web 2.0″-Geschäft. Interessenten können sich bereits jetzt auf der Seite registrieren.

Alex

P.S.: Die Auszahlungsgrenze liegt bei 50€ – und damit im Vergleich zu den 100$ (ca. 75€) von Google relativ niedrig. Möglicherweise ein Vorteil für kleinere Homepages.

bisher 3 Kommentare 11.Juni 2007

Echt kross: Zwiebeln querfeldein

Die Verstümmelung der Sprache kennt keine Grenzen:
Anstatt Röstzwiebeln mit dem Wort “kross”, für knusprig, anzuwerben, wird bei Aldi das Adjektiv “cross” benutzt. Das bedeutet aber soviel wie diagonal und wird auch im Sinne von querfeldein benutzt. So sind die Zwiebeln also nicht “knusprig & lecker”, sondern “diagonal & lecker”. Merke: Anglizismen wirken nicht automatisch verkaufsfördernd.

Vertrieben werden die Röstzwiebeln übrigens unter der Marke “Le Gusto” von dem Hersteller “Teuto Gewürzvertrieb GmbH”.
Herstellername deutsch, Artikel französisch, Eigenname englisch, Sprache ungeheuerlich.

Alex

bisher 5 Kommentare 31.Mai 2007

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